10 Tage vor Abflug. Asien 4.0 steht in den Startlöchern. Ein kleiner Blick in den Rückspiegel.
Was ist seit dem 22. April – dem Tag der 3. Rückkehr – passiert?
Ein Mini-Seelenstriptease meinerseits …
Alien-Dasein
Der Kulturschock nach der Rückreise gehört dazu. Nach wenigen Wochen legt sich das. Viele leere Gesichter sind das neue Normal, genauso wie das bipolare Wetter. Deutschland eben.
Aber irgendwas war bei Rückkehr Nr. 3 anders. Als hätten wir uns mit den Reisen zu stark verändert und würden immer weniger hier ins traditionelle Niederbayern passen. 3, 2, 1 … ich bin ein Alien-Gefühl. Um ehrlich zu sein, macht das einsam.
→ Wenn alle über Kinder, Konsum und Häuser sprechen.
→ Wenn kaum jemand deinen Weg geht (danke Maria, dass wir so viel darüber reden können).
→ Wenn Menschen vorschnell urteilen (bitte nennt mich nie wieder „Dauerurlauber“ 🙄).
Unsere Lebensform hat ihren doch teuren Preis. Das bekommen wir immer deutlicher zu spüren. Jahr für Jahr ein paar soziale „Euronen“ mehr. Umso verbundener fühlen wir uns mit denjenigen, die auch in irgendeiner Form gegen den Strom schwimmen, Bock haben selbst zu denken, zu hinterfragen, zu reflektieren, etwas aufzubauen. Die kleinen Kirschen des Alltags, Alter EGAL.

Geldkonto voll > Zeitkonto leer
Der Sommer brachte viel Geld. Für mich so viel, wie ich nie für möglich gehalten hätte. Plötzlich lief ich an teuren Autos vorbei und dachte mir „null Problemo, das hab ich in wenigen Monaten wieder drinnen.“ Natürlich habe ich als Frugalistin ohnehin einiges gespart. Aber der Cashflow war durchaus verlockend. Verlockend, das Leben, das ich nicht mehr hatte, zu kompensieren. Denn Freizeit war Mangelware. Ein 2-tägiges Treffen mit einer Freundin? Unmöglich. Musste ich canceln.
Das brachte mir die Erkenntnis, dass Geld nur bis zu einem gewissen Grad glücklich macht. Manuel meinte, die Erfahrung wäre wichtig gewesen, um den Schmerz des Hamsterrads zu fühlen. AUTSCH!
→ Mein Credo: Vermögen aufbauen: Ja // Leben verkaufen: Nein.
Denn das Zeitkonto lässt sich nie nie nie wieder auffüllen.
Und in Bayern gilt: A Brotzeitbredl a day, keeps the Sorgen away … so vui Zeit muas sei!

Grenzgänger
Dann kam der Tag, an dem ich harte Grenzen setzen musste. Das tue ich in der Regel sehr spät (mein Fehler). Aber es war 5 nach 12, eine Kundensache aufzulösen. Die Kraft fand ich in einem schwachen Moment. Ergebnis: Wieder minimal mehr Luft und ein JA zu mir. Der August war der Monat, wo ich das aufarbeiten durfte. Meine Kunden sind weit mehr als nur Kunden. Der Schmerz war groß. Mir ist es aber enorm wichtig, Standards und Dealbreaker zu setzen, privat wie geschäftlich. Zu meinem Schutz.
Denn du kannst den Wind nicht ändern. Aber deine Zäune engmaschiger stricken.
→ Ende der Geschichte. Krone richten. Weitergehen.
Krass neue Perspektiven
Dann kam Zypern. Zypern hat mir den mentalen Hintern gerettet. In diesen Tagen habe ich nicht nur Halt, sondern endlich einen Zukunfts-Entwurf gefunden. Neue Freunde. Neben Dani und Mario unzählig viele flauschige Wesen. Ein Meer voller Katzen. Ich liebe Katzen und wurde gebraucht.
Ein House-Sit ist kein Urlaub. Es ist das Eintauchen in ein anderes Leben. Und das war plötzlich so viel erfüllender als das, was ich in Straubing hatte. Ein Reihenhäuschen, eine Sackgasse, Zikadensound, das Meer mit ewig langen Wegen. Die Katzen, die morgens auf mich warteten (miau). Und: RUHE. Einfach so unglaublich viel Ruhe. Oke, ein paar nervige Engländer. Aber alles in allem: Mein Biotop. Ich wusste nicht wann, aber dass ich hier eines Tages leben möchte.
Die Überlegung: Kurzfristig das aktuelle Asien-Bayern-Modell fortfahren, mittelfristig Zypern mit mindestens 20 Katzen bewohnen.
TIPP für dich: Falls du klassisch Urlaub auf Zypern (Paphos) machen möchtest: Ich empfehle dir KEIN Hotel. Das Problem: Viele Engländer sind laut und täglich landen viele Flugzeuge aus deren Region. In einem Airbnb hast du deutlich ruhigere Karten. Generell ist Zypern nicht unbedingt günstig und mit deutschen Preisen zu vergleichen. Aber freu dich auf griechisches Essen, tiefrote Sonnenuntergänge und hab ich die Katzen schon erwähnt 😁 …

Darf ich bitte meckern? Die Rückkehr …
Wir hätten einfach weiterfliegen sollen …
Denn kaum in Deutschland zurück, spürte ich den Unterschied sehr deutlich. Morgens keine Katzen. Keine Terrasse mit Zikadensound. Wenig Natur. Eine kleine Wohnung im Block. Das launische deutsche Übergangs-Wetter von 15 bis 25 Grad im halbtäglichen Wechsel. Anziehen. Ausziehen. Manuel direkt mit Erkältung krank. Yeah … da kommt Freude auf … tröööt.
Meckern auf hohem Niveau. Mir steht das nicht zu. Dennoch blieb die kleine innere Talfahrt nicht aus. Also nochmal alle Erledigungen wie TÜV und Co. abarbeiten. Die Zeit mit Freunden und Familie genießen. Und sich in Gedanken rufen: Die Wärme Asiens und eventuell die Rückkehr nach Zypern im neuen Jahr (Rotschwanz, i miss you to the moon and back).

„Wie lange wollt ihr das noch so machen?“
Werde ich gerne gefragt.
Oder auch „Wann lebt ihr wieder das normale Leben?“
Zunächst mal definiere man normal. Ja klar genießen wir auch die normalen Momente. Die, in denen wir aufstehen, die Sonne scheint, wir bereiten den ersten Kaffee zu, ein Müsli mit Papaya und ab an den Laptop. Das hat schon was. Alltag ist für uns etwas ganz Besonderes geworden (klingt irgendwie verrückt, oder?).
Aber: Der Alltag ist für uns NUR so besonders, weil wir ihn eben nicht immer haben. Stillstand ist für mich eine Bürde. Und Stillstand im Nomadentum eher eine Rarität.
Das Schöne an unserem „Teilzeit-Auswander-Modell“ (6 Monate Deutschland / 6 Monate Asien): Es wird niemals nie langweilig. Familie und Freunde haben immer noch viel Raum in unserem Leben. Gleichzeitig können wir die Sehnsucht nach Wärme, Natur und Mango Sticky Rice ausleben. Gleichzeitig haben wir viele Zuhause auf dieser Welt. Gleichzeitig wissen wir die Dinge mehr zu schätzen. Gleichzeitig haben wir die Beziehungsproben unseres Lebens hinter uns. Gleichzeitig lernen wir ständig neue Leute kennen. Es ist kein Entweder-Oder. Sondern ein Und-Und-Und.

Bayern küsst Asien
Das wäre mein Lieblings-Titel, wenn ich unserem Leben denn einen geben müsste. Bayern und Asien passt so gut zusammen wie Bier und Kaffee, siehe Foto unten. Klingt eklig, ist aber (wenn wir ganz ehrlich sind Leute) eine tolle Kombi. Die Augen der Kellnerin sind jedes Mal göttlich. Wenn man sich nicht entscheiden kann, bestellt man eben beides, oder? Also sagen wir vermutlich die nächsten Jahre noch „einmal Asien und einmal Bayern bitte, to go“.
✈️ NEXT:
Reise Nr. 4 im Überblick:
Bangkok: 30.09. – 15.10. (2 Wochen | Schickes, kleines Apartment mit Natur-Elementen und kleinem Balkon)
Bali: 15.10. – 12.12. (2 Monate | 5 Wochen etwas „Luxus“ und 3 Wochen unsere alte, bodenständige Unterkunft)
Thailand: 12.12. – 06.03. (3 Monate | Replay Condo, dieses Mal aber 2-Zimmer statt ein Kammerl, Gustl inklusive)
Danach noch keine Pläne. Eventuell Kuala Lumpur, nochmals Bali oder Zypern. Rückflugticket nicht gebucht. Schlägt die Temperatur auf 20 Grad plus um, kommt der bayerische Teil zum Tragen. 😉

All you need is a „Rotschwanz“
Unter diesem Motto geht der Sommer für mich zu Ende.
Bleib mir weg mit schicken Handtäschchen und Luxus-Gehabe. Das gibt mir gelinde gesagt GAR NICHTS (Dubai-Erfahrung lässt grüßen). Es waren immer und immer wieder die Momente in der Natur, mit tierischen Geschöpfen. Da reiht sich der süße, große Rotschwanz aus Paphos natürlich mit ein. Was gibt es bitte Schöneres, als zehn flauschige Kilos, die auf deinem Schoß schnurrend ihr Dasein fristen? Milchtritt, ein verliebter Blick und Sabber inkludiert. Schmelz! Einer meiner Highlight-Momente in diesem Jahr.

Startschuss 29.09.
In 10 Tagen heißt es wieder Flugangst ahoi und 11 Stunden abheben. Natürlich nehm ich euch wieder mit! Stand doch gar nicht zur Debatte. Wen meine Statusmeldungen nerven, muss die Nummer löschen oder mir einfach kurz Bescheid geben (nehme euch raus). Umso mehr freue ich mich über alle, die mitfiebern, schreiben und kommentieren. Die Verbindung zu euch ist unbezahlbar.
Bleibts gsund, genießts de „stade Zeit“ und schickts ma bitte koane Winterbilder.
Machts gut! Danke fürs Lesen!
Eure Nicole

Grias di, ich bin Nicole! Vor 2,5 Jahren haben wir unser Leben einmal auf links gedreht. Job gekündigt, selbstständig gemacht und Asien bereist. Seitdem schlägt die Reise-/Wärmesucht regelmäßig durch. Möglich ist das durch viele Arbeitsstunden, eine Prise Verrücktheit und unseren sparsamen Lebens-Stil. Ich teile meine Gedanken mit euch.

