Affen beißen nicht

Es ist der 2. November, an dem wir unsere Zelte im „2. Zuhause“ in Canggu abbrechen müssen.

Das fällt besonders mir schwer. Gerade als ich in der Ferne Halt finde, muss ich auch schon wieder loslassen.

Dschungelfeeling & Kokosnüsse

Was dann für eine Odyssee beginnt, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Nach längeren Überlegungen, wie wir die nächsten 2 Wochen verbringen möchten, entscheiden wir uns für Ubud. Ubud liegt im Landesinneren von Bali und soll seinem Ruf nach sehr grün sein. Perfekt. In unseren Gedanken paart sich Dschungelfeeling mit frischen Kokosnüssen.

Ein Luftgewehr

Von Canggu nach Ubud fährt man eine gute Stunde, obwohl es nur wenige Kilometer voneinander trennt. Die Straßen auf Bali sind eine Katastrophe. Unser Fahrer meistert souverän jede noch so enge Kurve.

Gemeinsam suchen wir das Schild der Unterkunft, das mehr als winzig aus einer Seitenstraße hervorragt. Mehrere Meter schieben wir unsere Koffer die Gasse entlang. Bis wir schließlich vor einer Baustelle stehen. Ah, das muss unser Hotel sein! In Empfang nimmt uns niemand. Mit Sack und Pack stehen wir in der Mittagshitze da wie bestellt und nicht abgeholt. Neben uns: Liegt ein Luftgewehr. Einfach so, auf einem Gartentisch. Ich glaube ich muss nicht weiter erklären, wieso wir uns nicht direkt pudelwohl gefühlt haben.

Granita & Parmesan Kürbis

Nach etwa 10 Minuten finden wir jemanden vom Nachbarhotel, der uns hilft und jemanden vom Hotel sucht. Endlich können wir unser Zimmer beziehen. Schnell werden wir uns selbst überlassen. Das Gelände entdecken wir dann wohl auf eigene Faust. Die Küche: Eine Sperrholzplatte. Das würde uns noch zum Verhängnis werden. Das Zimmer selbst ist schön und renoviert. Der Ausblick: Grün.

Da es keinen Wasserspender gibt, machen wir uns schnell auf die Suche nach Supermärkten. Der Hunger treibt uns aber vorerst in ein Restaurant. Wir begutachten mehrere Speisekarten und stellen fest: Das wird teuer! „Oh schau mal, da gibt es Kürbis, den magst du doch“ so Manuel. Auf Kürbis hatte ich wirklich Lust.

Manuel bestellte sich einen Salat und bekommt: 3 Tomaten für den Preis von ca. 6 Euro. Mein Kürbis gibt da schon mehr her, also teile ich mit ihm. Das Lokal bietet einen wirklich tollen Service und so sind wir fürs erste zufrieden. Manuel erfreut sich an seinem Modegetränk, Granita genannt. Was das genau ist, wissen wir bis heute nicht. Vorerst ist alles gut.

Touri-Hochburg

Langsam finden wir uns zurecht. Supermarkt, Wäscherei & Co. sind schnell gefunden. Was uns auffällt: Mitten im Zentrum von Ubud ist es gar nicht so grün. Es gleicht eher einer Shoppingmeile. Geschäft an Geschäft. Kein Ramsch, eher hochwertig und teuer. Für Touris ausgelegt. Überall werden wir hereingebeten. Das kannten wir so extrem aus Canggu nicht.

Babykatzen im Restaurant

Am Abend testen wir Lokal Nr. 2. Wir entscheiden uns für einen Laden aufgrund der guten Bewertungen und der annehmbaren Preise. Kaum haben wir uns einen Platz ausgesucht, höre ich es maunzen. Katzen sind meine Schwäche. Höre ich eine schreien, ist der Abend für mich gelaufen. Eine Katzenmama mit ihren beiden Babys streift durch die Tische. In dem Moment war mir klar: Ich bestelle Fleisch. Nicht für mich.

Als ich höflich frage, ob sie nicht etwas für die Katzen hätten, ernte ich ein ernstes NO. In Indonesien habe ich das Gefühl, dass sich Tierliebe in Grenzen hält.

Am Ende gehe ich hungrig und deprimiert nach Hause. Und obwohl das eines der günstigsten Lokale in unserer Straße sein soll, ist es immer noch erstaunlich teuer.

Budget gesprengt

Noch nie auf unserer Reise hatten wir solche Probleme mit unserem Tages-Budget wie in Ubud.

Für alle Ausgaben kalkulieren wir 30 Euro pro Tag. Dazu zählt Wäsche, Essen gehen, Freizeit & Co. Bis dato sind wir bis auf wenige Tage damit gut klargekommen. In Ubud: Sprengen wir es jeden Tag. Für einmal Essen gehen brauchen wir hier meist 20 Euro. Was einfach viel zu viel ist für das, was wir bekommen. Meist gehen wir sogar hungrig aus den Restaurants raus, weil die Portionen so klein sind.

Normalerweise würden wir es so lösen: Einmal täglich selbst kochen. Und da kommt die Sperrholzplatte ins Spiel. Das war praktisch unmöglich. Zudem hat kein Supermarkt in der Nähe etwas anderes als Chips & Bier.

2. Lösungstrategie: Essen vom Warung. Das sind oft die günstigeren, einheimischen Essensmeilen. Leider macht uns auch das nicht happy.

Selbst frühstücken müssen wir hintereinander, weil wir nur eine Müslischüssel haben. Der Spaßfaktor geht weiter nach unten. Aber es sind ja nuuur 2 Wochen …

Affen beißen nicht

An einem Sonntag beschließe ich, dass wir jetzt auch mal etwas unbeschwerte Zeit genießen sollten. Manuel ist zunächst noch wenig begeistert, zieht dann aber mit. Wir gehen in den Affenwald. Dieser liegt unweit entfernt von unserer Unterkunft. Schon auf dem Weg dorthin turnen ganze Familien auf den Strommasten.

Im Netz hatten wir von Affenbissen gelesen. Was wir vor Ort direkt feststellen: Nicht die Affen sind das Problem. Das Verhalten der Menschen muss unweigerlich zu Unfällen führen. Jeder will DAS beste Bild. Und dafür muss man den Affen natürlich sehr nahe kommen. Den Affen interessiert das Bild aber nicht. Er möchte etwas ergattern. Schmuck, Handys, Essen. Und während die einen für das beste Bild mit dem Affen schmusen, nutzt dieser seine Gelegenheit. Es dauert wenige Sekunden, bis einer vor unseren Augen ein Handy entführt. Wir schütteln nur mit dem Kopf. In den Bewertungen heißt es schließlich wieder „Der böse Affe …“.

Generell haben wir das Gefühl, dass im Affenwald viele Besucher gar nicht richtig „da“ sind. Uns laufen 3 Mädels entgegen, die über ihren Bildschirm keinen Millimeter hinwegblicken. Zu unserem Vorteil, weil die meisten den ganzen Park gar nicht entdecken. Wir gelangen an eine Stelle, wo wir ganz alleine mit einer Affenfamilie sind. Das sind Momente, die brennen sich ins Hirn ein. Das vergisst man nicht.

Regenzeit

Am Sonntagabend wollen wir nur nochmal schnell zum Supermarkt. Als wir an der Kasse sind, sage ich zu Manuel: „Schau mal, es regnet“. Und wenn es in Ubud regnet, dann nicht so ein bisschen.

Etwa 10 Minuten stehen wir vor dem Supermarkt, bis wir beschließen, Regenponchos zu kaufen. Eine gute Entscheidung. Aber: Es hat so viel geregnet, dass unsere Schuhe in den Pfützen versinken. So hatten wir das nicht mal in Thailand erlebt.

Der Gipfel: Die Pool-Renovierung

Der Montag darauf würde ein stressiger Tag werden. Ich hatte einige Calls im Kalender. Während meines ersten Termins wollte Manuel schwimmen gehen. Als ich am Balkon auflege, stelle ich fest, dass Manuel schon wieder da ist. Natürlich war mir das Baustellengeräusch am Morgen nicht entgangen. Und dann sprach Manuel das aus, was ich befürchtete: „Sie renovieren den Pool. Der wird nicht mehr fertig, bis wir abreisen.“ Das hatte uns gerade noch gefehlt!

Der Pool war unser kleiner Lichtblick. Nicht besonders schön, aber schön groß zum schwimmen. Wegen diesem war die Entscheidung auf die Unterkunft gefallen. Also stand uns ein anstrengender Tag bevor: Arbeitsmäßig alle Calls und Arbeiten unterbringen, mit dem Hotelbesitzer verhandeln, unser Geld zurückbekommen, eine neue Bleibe suchen.

Dienstag Morgen

Der Montag verging. Irgendwie hatten wir alles unter einen Hut gebracht. Manuel hatte eine neue Unterkunft ausgesucht. Dieses Mal keine Experimente, wir wollten zurück nach Canggu. Kurz bevor wir unsere Zelte in Ubud abbrechen wollten, dann der nächste Schlag: Mein Handy ging nicht mehr. Ich hatte schon länger Probleme mit dem Empfang. Aber jetzt funktionierte es auch im WLAN nicht mehr. In Canggu würde es einen Handyladen geben. Da würden wir hingehen.

5 x Packen in 17 Tagen

Ubud liesen wir hinter uns. Das sollte aber (leider) nicht unser letzter Umzug bleiben. Ob wir wohl geblieben wären, wenn wir die Zukunft erahnen hätten können?

Wie es weiterging, erzähle ich euch beim nächsten Mal.

Eure Nicole

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